Zwischen Genie und Wahnsinn eines Vorbereiters

Dragan Umicevic im Interview der Woche 


Normalerweise stellt Dragan Umicevic als Vorbereiter seine Mitspieler in den Vordergrund. Am vergangenen Wochenende erzielte der Schwede mit bosnischen Wurzeln erstmals selber einen Doppelpack für die LIWEST Black Wings in der Erste Bank Eishockey Liga. Im Interview der Woche spricht der Stürmer über Genie und Wahnsinn eines Assistgebers und die tödlichen Blicke des Trainers nach einem gefährlichen Fehlpass. 

Servus Dragan, Glückwunsch zu Deinem Doppelpack gegen Dornbirn. Es war Dein erster in der Erste Bank Eishockey Liga. Wie war das Spiel für Dich? 

Dragan Umicevic: Servus. Es ist immer gut für das Selbstvertrauen, wenn man trifft. Das Wichtigste war aber, dass wir das Spiel gewonnen haben.

Sehr oft redet man bei Stürmern nur darüber wie viele Tore sie schießen. Du hingegen stichst vor allem durch Deine vielen Passvorlagen hervor. Warum ist Dir der entscheidende Pass wichtiger, als selber zu treffen? 

Umicevic: Natürlich taugt es mir auch wenn ich selber ein Tor schieße. Es hat aber schon früh in meiner Karriere angefangen, dass ich im Pässe spielen besser gewesen bin als im selber schießen. Ich habe deshalb immer mehr an meinem Passspiel gearbeitet und das gefällt mir auch. Ich versuche meinen Mitspielern so gut es geht die Scheibe aufzulegen, damit sie ein Tor erzielen können. 

Wenn Du also zu zweit alleine aufs leere Tor zufahren würdest, würdest Du dann lieber den Puck abspielen als selber zu schießen?

Umicevic: Ehrlich gesagt war vor kurzem so eine ähnliche Situation. Da bin ich mit Brian Lebler einen Konter gefahren. Ich habe auf ihn gewartet, um ihm den Pass zu spielen, aber es hat nicht so gut funktioniert. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal lieber selber schießen (lacht).

Immer wieder zeigst du mit herrlichen Pässen auf. Wie schaffst Du es Lücken in einer Verteidigung zu sehen, die andere nicht sehen? 

Umicevic: Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube schon, dass das etwas ist mit dem du geboren wirst. Ich arbeite zwar viel an meinem Spiel, aber es fällt mir oft einfacher als anderen Dinge auf dem Eis zu sehen. Das macht es leichter vorrauszuschauen wo ein Pass genau hingehen könnte. 

In guten Phasen der ganzen Mannschaft gelingt es vermutlich auch Dir leichter, dass dir ein solcher Pass aufgeht, als in Phasen in denen es generell nicht so läuft, oder? 

Umicevic: Natürlich. Es hat viel damit zu tun was für ein System gespielt wird und welche Freiheiten uns der Trainer lässt. Wenn du viele Spiele gewinnst und mit Selbstvertrauen spielst gelingen diese Pässe viel besser, als wenn es insgesamt nicht so gut läuft. 

Muss man trotzdem genau dann diesen einen Pass riskieren, um irgendwie zum Torerfolg zu kommen? 

Umicevic: Ja schon. Ich habe über die Jahre hinweg probiert zu lernen, wann man es versuchen kann riskante Pässe zu spielen und wann nicht. Das ist aber nicht leicht da abzuwiegen, weil alles natürlich sehr schnell geht und da passieren dann Fehler. Dem Trainer gefällt das dann natürlich nicht so (lacht). Aber das ist mein Spiel und ich will natürlich immer das Beste aus mir herausholen. 

Was sagt der Trainer dann zu Dir, wenn du den Puck verlierst?

Umicevic: Naja… Ich weiß natürlich selber, wenn ich etwas verbockt habe. Ich bin 35 Jahre alt, da erkenne ich meine Fehler. Natürlich zeigt es mir der Coach danach im Video noch einmal genauer. Normalerweise reicht es aber schon, wenn ich zur Bank fahre und sich unsere Blicke treffen. Da weiß ich dann schon, wenn ihm etwas nicht gefallen hat (lacht).

Blicken wir zurück auf den Sommer. Du warst einer derjenigen die im Sommer extrem hart trainiert haben und sich auch im körperlichen Bereich stark gesteigert haben. Wie hart war das wirklich? 

Umicevic: Ich habe jedes Jahr eigentlich so ziemlich dasselbe Workout. Ich habe dieses Jahr aber vor allem mehr auf meine Ernährung geachtet und bin deswegen auch ein wenig leichter (Anm. weniger Gewicht) zurückgekommen. Manche Jungs können essen was sie wollen und es verändert ihren Körper nicht. Ich habe einen anderen Körpertyp und muss sofort alles wieder abtrainieren was ich zu mir nehme. Darauf habe ich mehr geschaut, denn ich habe ja noch ein paar Jahre nach meiner Karriere, in denen ich dann essen und trinken kann was ich will (lacht).  

Wie würdest Du also sagen sieht der Dragan in diesem Jahr aus im Vergleich zum Vorjahr. Hat er sich verändert?

Umicevic: Es kommt mir selber so vor, als fühle ich mich einfach besser im Spiel. Ich bewege mich besser, das ganz sicher und es macht mir noch mehr Spaß da draußen. Der Trainer kennt meine Stärken und Schwächen, dazu kommt das Selbstvertrauen mit unserer Truppe, die wirklich super drauf ist. Ich fühle mich auf jeden Fall besser als letztes Jahr.  

Zu Dir privat. Deine Familie ist ja sehr international, kannst Du sie uns ein wenig beschreiben? 

Umicevic: Ja klar. Meine Eltern sind aus Bosnien und die Eltern meiner Frau Giovanna sind aus Italien. Wir beide sind aber in Schweden aufgewachsen. 

Wie geht Ihr da mit Feiertagen, wie jetzt zum Beispiel Weihnachten, um? Immerhin seid Ihr viele unterschiedliche Kulturen gewöhnt? 

Umicevic: Das bosnische orthodoxe Fest ist erst im Jänner. Früher haben wir das bei meinen Großeltern gefeiert und zuvor mit der Familie meiner Frau. Mittlerweile feiern wir immer das schwedische Weihnachtsfest, weil wir schon lange nicht mehr daheim waren über die Feiertage. Wir feiern am 24. und 25. Dezember gemeinsam mit Freunden. Am 24. hat außerdem meine Tochter Bianca Geburtstag und deswegen geht es da hauptsächlich um sie. 

Auch Dein Bruder hat als TV Reporter in Schweden viel mit Eishockey zu tun. Wirst Du da ständig von ihm beobachtet wie es bei Dir läuft? 

Umicevic: Mittlerweile nicht mehr ganz so intensiv, aber wir sind gemeinsam aufgewachsen und haben ein sehr enges Verhältnis. Er schaut die Spiele wann immer sie im Fernsehen übertragen werden und da bekomm ich dann immer Feedback. Wie das hald bei Brüdern so ist, liefern wir uns viele Kämpfe und wenn ich dann einmal ein schlechtes Spiel habe, zieht er mich natürlich damit auf. 

Diese Eishockey-Gene hast Du auch schon an Deinen Sohn Luca weitergegeben. Am Sonntag beim Spiel ist er mit der U9 der Junior Wings sogar mit Dir aufs Eis aufgelaufen. Wird er irgendwann in deine Fußstapfen treten und der nächste Star bei den Black Wings?

Umicevic: Ich weiß es nicht, das kann man nie sagen. Für mich ist es das Wichtigste ihm die Chance zu geben zu spielen und dass er Spaß daran hat. Das ist in diesem Alter das Wichtigste und er macht sich bereits gut also wer weiß. (mg)