Rick Schofield im Interview der Woche

Stürmer über neue Vaterrolle und alte Eishockey-Leidenschaft

Als frischgebackener Vater startete Rick Schofield heuer in seine vierte Saison bei den LIWEST Black Wings. Mit sechs Punkten (4 Tore, 2 Assists) und der drittmeisten Eiszeit in den ersten sieben Spielen, zählt der Stürmer trotz Babystress zu den Leistungsträgern bei den Stahlstädtern. Im Interview der Woche spricht der Kanadier über heimische Traditionen, seine ersten Wochen als Papa einer Tochter und wie er es trotzdem schafft den vollen Fokus auf Eishockey zu haben. 

 

Servus Rick, frohes (kanadisches) Thanksgiving! In Nordamerika ist das Erntedankfest ja eines der größten Feiertage im Jahr. Wie genau wird da gefeiert? 

Rick Schofield: Servus, dankeschön! Es geht einfach darum dankbar zu sein und gemeinsam Zeit mit der Familie zu verbringen. Traditionell wird für die Ernte gedankt und mit einem großen Essen gefeiert. Das kanadische Thanksgiving ist immer am zweiten Montag im Oktober wo jeder frei hat und zu einem großen Truthan-Essen zusammenkommt. In den USA feiern sie Thanksgiving noch ein wenig größer und da ist es wirklich einer der größten Feiertage im Jahr. 

Feiert Ihr auch hier in Linz mit? 

Schofield: Ja. Wir haben immer ein gemeinsames Essen mit ein paar der anderen Kanadier. Da gibt es natürlich auch einen gefüllten Truthan mit traditionellen Beilagen wie Kartoffelpüree, Gemüse und so weiter. Am besten schmeckt mir aber eigentlich das was übrig bleibt. Da mache ich mir meistens ein Truthan-Sandwich am nächsten Tag. 

Dieses Jahr muss es ja ein ganz spezielles Thanksgiving sein. Immerhin ist da ein Familienmitglied mehr in Deiner Familie… 

Schofield: Ja auf jeden Fall. Es fühlt sich noch nicht ganz so an, weil wir heute erst gemeinsam feiern. Aber natürlich macht es das extra speziell, wenn mit meiner Tochter, einer mehr am Tisch sitzt. Ich kann es eigentlich immer noch gar nicht so richtig glauben, aber es ist definitiv etwas woran wir denken, wenn wir heute „danke sagen“. 

Wie laufen denn so die ersten Wochen mit Deiner Tochter Sadie?

Schofield: Bislang läuft es echt super. Sie isst viel und lacht auch viel und ich glaube sie ist ein sehr glückliches Baby. Meine Frau kümmert sich zudem wirklich toll um sie, wenn ich einmal nicht da bin. 

Hat ihr Name (Anm. Sadie James) eine spezielle Bedeutung? 

Schofield: Nein, am Anfang eigentlich nicht. Wir sind ein paar Namen durchgegangen und haben uns dafür entschieden. Erst danach sind wir eigentlich draufgekommen, dass meine Urgroßmutter so geheißen hat und damit hat es umso besser gepasst.

Du hast gesagt sie ist ein sehr ruhiges Baby. Bekommst Du also genügend Schlaf in der Nacht? 

Schofield: Ja, sie wacht meistens nur ein oder zweimal auf und es ist ehrlich gesagt viel besser als ich mir erwartet habe. Manchmal müssen sogar wir sie aufwecken, wenn sie zu viel schläft.

Trotzdem gibt es vermutlich auch bei Euch stressige Zeiten mit Familie und dem Eishockey. Wie schaffst Du es, dass Du trotzdem weiterhin einer der Topscorer in der Mannschaft bist?

Schofield: Ich versuche einfach immer professionell zu sein sobald ich die Eishalle betrete. Ich mache alles, um mich bestmöglich vorzubereiten. Das mache ich genauso als ob ich nicht Vater wäre.  Auf der anderen Seite versucht man aber natürlich manchmal einen kleinen Schritt kürzer zu treten. Man merkt, dass Eishockey nicht alles ist und dass es eine Ehre ist diesen Beruf zu leben. Ich bin vielleicht ein wenig entspannter jetzt, um alles zu genießen, wenn ich auf dem Eis bin. Ich habe aber nie das Gefühl vielleicht ein wenig müde zu sein. 

Eishockeytechnisch hat sich also nichts verändert? 

Schofield: Nein absolut nicht. Meine Frau kümmert sich so gut um Sadie und an Spieltagen legen wir davor immer ein gemeinsames Mittagsschläfchen ein. Sadie macht ein Nickerchen, ich mache eines und da hat meine Frau dann ihre Ruhe von uns beiden. (lacht)

Kommen wir zum sportlichen Teil. Nach dem Match in Dornbirn hat Head Coach Tom Rowe die Linien ein wenig umgestellt. Hat er Euch da einen speziellen Grund dafür genannt?

Schofield: Ich glaube er wollte es einfach ausprobieren. Wir sind zurück bei einem „4 Linien-System“ und da probieren wir einfach noch aus, wer mit wem am besten zusammenspielt. Das braucht ein wenig Zeit. Deswegen hat er uns in den ersten 5 Spielen anders eingeteilt, um zusehen was diese und jene Reihe machen kann. Das hat schon gut funktioniert und beim Spiel nach der Umstellung gegen Fehervar, haben dann auch Jungs wie Brucker, Leiler und Gaffal mit ihren Toren geholfen. Es ist immer schön zu sehen, wenn sie treffen. Das ist gut für ihr Selbstvertrauen. 

Mit dem Umbau bei der Keine Sorgen EisArena habt Ihr zum Saisonstart nur wenig Spiele gehabt. Habt Ihr da trotzdem schon Euren normalen Rhythmus gefunden?

Schofield: Um ehrlich zu sein hat uns das gar nicht so betroffen. Unsere Betreuer Armin, Wolfi und Nina haben wirklich einen guten Job gemacht, damit alles so normal wie möglich abläuft. Wirklich Hut ab an die drei, sie haben es geschafft, dass wir von der Baustelle eigentlich gar nichts mitbekommen und normal trainieren können. Sportlich gesehen war es am Anfang natürlich schwierig, wenn du nur einmal pro Woche spielst. Du musst dich immer neu an die Geschwindigkeit im Spiel gewöhnen. Wir freuen uns deshalb jetzt, dass wir wieder den normalen Rhythmus mit zwei bis drei Spielen in der Woche haben. Das wird uns sicher helfen, denn wir sind in guter körperlicher Verfassung und je mehr Spiele wir spielen, desto mehr Selbstvertrauen können wir uns aufbauen.

Was ist dein Fazit nach den ersten paar Runden in der Erste Bank Eishockey Liga? Gibt es irgendwelche Überraschungen bislang?

Schofield: Villach ist natürlich eine kleine Überraschung. Wir haben noch nicht gegen sie gespielt, aber sie schauen nach einem wirklich guten Team aus. Das macht auch diese Liga aus, denn selbst wenn du einmal ein schlechtes Jahr hast, heißt das nicht, dass das darauffolgende auch so ist. Dieses Jahr kann jeder jeden schlagen und es wird verdammt schwer unter die Top 5 zu kommen. Es gibt keine einfachen Spiele wo du vielleicht einmal ein wenig entspannter hinein gehen kannst.

Zum Abschluss müssen wir leider auch kurz auf die Geschehnisse der letzten Woche eingehen. Nur eine Frage dazu: wie seid Ihr als Mannschaft mit der Situation umgegangen, vor allem beim Spiel am Freitag? 

Schofield: Du musst einfach an den Menschen denken der Flo war. Er war immer gut drauf und hat dich immer unterstützt. Für ihn stand immer das Team im Vordergrund. Unsere Jungs, die mit ihm gespielt haben, haben sich einfach zurückerinnert wie er war. Ich persönlich habe einfach an ihn gedacht und was er in so einer Situation tun würde. Wir haben für ihn gespielt und obwohl wir für ihn gewonnen haben, wird einem einfach klar, dass Eishockey nicht alles ist. (mg)