Offen, ehrlich und ausführlich - David Kickert im Interview

Torhüter der LIWEST Black Wings vor dem Heimauftakt im Gespräch

In seinem zweiten Jahr bei den LIWEST Black Wings gibt David Kickert den Stahlstädtern als neue Nummer 1 den Rückhalt im Tor. Als aktuell zweitbester Schlussmann der Erste Bank Eishockey Liga plaudert der Publikumsliebling mit uns im Interview der Woche offen über seine persönliche Entwicklung auf und abseits des Eises. Außerdem spricht der 25 Jährige über die diesjährigen Stärken im Kader, über die Vorfreude auf das erste Heimspiel (vor seiner Erkrankung) und über die “Gründung” der allerersten Black Wings Gitarrenband.

Servus David, der Saisonauftakt mit drei intensiven Auswärtsspielen liegt hinter Euch. Wie blickst Du darauf zurück? 

David Kickert: Servus. In Salzburg waren die Gastgeber am Anfang schon überlegen, das muss man zugegeben. Wir haben aber dann gut reingefunden und haben zurückgekämpft. Dass wir den Rückstand noch aufgeholt haben und das Spiel sogar noch gewinnen konnten spricht auf jeden Fall für die Mannschaft. Das spricht auch dafür, dass wir mental auf einem anderen Level sind als zum Beispiel letztes Jahr. Das liegt vor allem an Tom (Anm. Head Coach Tom Rowe) und wie er uns einstellt. Er meinte, egal was passiert, wir schauen, dass wir nicht zu emotional werden und dass wir einfach unseren Job machen.  

Fünf Punkte habt ihr gegen zwei Titelfavoriten geholt. Wie groß ist die Erleichterung über diesen guten Start in die neue Spielzeit?  

Kickert: Naja, wir haben ja erst drei Spiele gespielt. Das ist vermutlich für den Verein und für die Medien wichtiger als für uns. Wir spielen einfach, aber natürlich ist es eine Motivation für uns, dass wir gegen jeden Gegner nicht nur gewinnen können, sondern auch das Tempo und das Spiel bestimmen können. 

Kann dieses gewonnene Selbstvertrauen vielleicht heuer der große Unterschied im Vergleich zum letzten Jahr sein? 

Kickert: Ja klar. Letztes Jahr war es immer so, wenn wir ein gutes Spiel gehabt haben, ist im nächsten Spiel plötzlich wieder alles schief gegangen. Ich glaube schon, dass wir da heuer konstanter sein können und das hat natürlich auch mit dem Kader zu tun. 

Du bist also auch der Meinung, dass man sich dieses Glück erarbeiten kann? 

Kickert: Ja, da gibt’s ein Sprichwort, das ich ganz cool finde: Je härter man arbeitet, desto mehr Glück hat man und ich denke, das stimmt auf jeden Fall. 

Auch für Dich persönlich ist es heuer ja ein spannendes Jahr. Zum ersten Mal in Deiner Karriere bist Du die fixe Nummer 1 im Tor. Was war so Dein erster Gedanke als Du von dieser Entscheidung des Vereins erfahren hast? 

Kickert: Natürlich war ich sehr froh über das Vertrauen in mich. Vor allem Jürgen Penker hat dabei sicher viel Einfluss gehabt indem er überzeugt davon war, dass wir mit drei österreichischen Goalies in die Saison gehen. Das sollte eigentlich nichts Außergewöhnliches sein, ist es aber leider, das muss man so sagen. Ich verspüre deswegen aber keinen Druck. Von außen wird das natürlich groß aufgezogen, dass wir der einzige Verein sind, der mit rein einheimischen Goalies in die Saison geht. Für mich hat sich dadurch aber nichts geändert.

Hast Du dich irgendwie speziell darauf vorbereitet? 

Kickert: Nein gar nicht. Es war heuer ein wenig anders, weil der Sommer aufgrund der WM viel kürzer war, aber ich habe mich grundsätzlich genau gleich vorbereitet. Die einzige Veränderung ist vielleicht, dass ich seit einem Jahr mit Mentaltraining angefangen habe und deswegen bin ich auch da mittlerweile auf einem guten Level. 

Kannst Du uns da vielleicht einen kleinen Einblick geben? Wie schafft man es denn, dass man sich auch vom Kopf her weiterentwickelt?

Kickert: Einfach formuliertet, ist es wichtig sich auf das zu konzentrieren was zählt: das Spiel. Das ist natürlich einfach gesagt, denn da gehört viel dazu. Speziell als Torhüter ist das oft schwer, aber ich glaube das gelingt mir mittlerweile gut. 

Paul Mocher, Thomas Stroj und Du. Wie schafft Ihr es, euch gegenseitig zu pushen, um das Beste aus euch rauszuholen?

Kickert: Das wichtigste ist, dass wir uns alle sehr gut verstehen auch abseits vom Eis. Auf dem Eis arbeiten die beiden richtig hart und das motiviert auch mich, wenn ich sehe wie die anderen Vollgas geben. Es ist nicht so, dass ich von ihnen irgendeinen Druck spüre, aber ausruhen darf sich sowieso keiner.  

Dieser kleine Konkurrenzkampf im Team hilft Euch also auch gegenseitig, um Euch persönlich stärker zu machen?

Kickert: Definitiv. Ich würde sagen, das ist einer der größten Unterschiede in der ganzen Mannschaft im Vergleich zum letzten Jahr. Da sind das Level und das Wettbewerbsniveau einfach viel höher und dadurch sind wir auch in den Spielen schneller bereit in solchen Situationen.

Torhütern sagt man ja oft nach sie seien ziemlich angespannt und dass sie viele kleine Rituale haben, um ihre beste Leistung abrufen zu können. Wie ist das bei dir, du wirkst immer locker und bist für jeden Spaß zu haben. 

Kickert: Ich sehe das einfach nur als energieraubend. Natürlich hat jeder seine Routine in der Vorbereitung, aber wenn man versucht alles zu kontrollieren und zu abhängig von seinen Gewohnheiten wird, entwickelt sich das genau in die andere Richtung. Alles was ich vor einem Spiel tue, mache ich nur deswegen, weil ich danach wirklich für das Spiel vorbereitet bin und nicht aufgrund von irgendeinem Aberglauben. Alles andere versuche ich einfach wegzulassen.

Das klingt immer so einfach, dieses „einfach Weglassen“…

Kickert: Ja das stimmt und auch ich war komplett anders früher. Ich war sehr angespannt vor jedem Spiel, fast nervös. Ich habe dann ein paar Mal probiert wirklich locker hineinzugehen, so auf die Art es ist mir eh alles wurscht. Das hat aber auch nicht funktioniert und irgendwie muss man da die Mitte finden. Zugegeben, bin ich auch eher auf der nervösen Seite, aber ich habe gelernt, dass das was Gutes ist und ich genieße dieses Gefühl, wenn es so ein wenig in mir kribbelt. 

Mit Alexander Cijan und ein paar weiteren Jungs habt Ihr ein neues musikalisches Hobby für Euch entdeckt. Was denn genau? 

Kickert: (Lacht) Ja der Cice (Anm. Alexander Cijan) hat uns da alle angesteckt. Bei mir hat das nach der WM angefangen, da haben wir mit der Gitarre alle gemeinsam ein wenig gejammt. Da haben wir auch ein erstes Lied geschrieben und das ist dann in Linz weiter gegangen. Der Kristler und der Pusnik haben sich eine Ukulele gekauft. Da sind wir im Sommer dann immer draußen gesessen und haben gemütlich miteinander gespielt.

Dürfen wir uns da mal auf einen Auftritt von Euch freuen? 

Kickert: (Lacht) Da müsst ihr den „Cice“ fragen, was wir wann einmal performen. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen. Es macht Spaß und ist super, um abzuschalten. 

Für einige neue Spieler in der Mannschaft, die noch nie zuvor ein Liga-Match in Linz bestritten haben, was erzählst Du ihnen über die Heimspiele in der Keine Sorgen EisArena?

Kickert: Es haben alle nachgefragt und das Lustigste war schon beim ersten Training. Da haben sich ein paar gedacht: „Hö, was ist denn da los?!“ Es freuen sich alle riesig darauf. (mg)