Linzer Weg zum Eishockey-Profi

Gerd Kragl im Interview der Woche 

Nach seiner ersten vollen Saison in der Kampfmannschaft der LIWEST Black Wings, steht Verteidiger Gerd Kragl am Freitag vor seinem 100. Grunddurchgangsspiel in der Erste Bank Eishockey Liga. Im Interview der Woche erzählt der gebürtige Linzer und ehemalige Nachwuchscrack der Junior Wings, über seinen Weg zum Eishockey-Profi. 

Servus Gerd, kommenden Freitag gehst du zum 100. Mal im Grunddurchgang auf das Eis in der Erste Bank Eishockey Liga. Wie blickst Du zurück auf deine erste volle Saison im Erwachsenenbereich letztes Jahr?

Kragl: Ich habe auf jeden Fall sehr viel gelernt. Zuerst mit Troy Ward, dann mit Tom. Die beiden sind sehr unterschiedlich und durch diesen Wechsel habe ich von beiden viel mitbekommen. Auch von den anderen Spielern, mit denen ich gespielt habe wie Jonathan D‘Aversa und Mathieu Carle. Es war mit Sicherheit ein wichtiger Schritt letztes Jahr, damit ich heuer eine noch bessere Leistung bringen kann. 

Was konkret hast Du dir von ihnen abgeschaut?

Kragl: Vor allem im Spiel mit der Scheibe, dass ich da mehr Ruhe bewahre. Auch in Sachen Kommunikation habe ich viel dazu gelernt. Wenn man mehr mit den Mitspielern spricht, fällt alles gleich viel leichter.  

Wie läuft denn diese Absprache mit deinen Teamkollegen während des Spiels ab? Was schreit Ihr euch da so zu?

Kragl: Mit den Torhütern haben wir verschiedene Kommandos sozusagen. „Up“ und „Over“ sind zwei Begriffe, mit denen wir uns absprechen, wenn der Torhüter den Puck hinter dem Tor stoppt und weiterspielt. Hauptsächlich sind das Stellungs- oder Zeitdinge, wenn man Zeit hat die Scheibe zu behaupten. So Kleinigkeiten helfen einfach extrem, dass man schneller Entscheidungen treffen kann.  

Du hast aktuell die viertmeiste Eiszeit aller Spieler in der Mannschaft. Wie ist es für dich, dass Du da schon so viel Vertrauen vom Trainer bekommst? 

Kragl: Für mich ist es unglaublich. Ich habe damit gar nicht gerechnet, um ehrlich zu sein. Ich glaube, es ist eine Belohnung, weil wir im Sommer so hart trainiert haben. Dadurch hält man das aus und es ist körperlich kein Problem für mich so viel Eiszeit zu spielen. Ich darf auch in Unterzahl viel spielen und das hilft mir natürlich mich weiterzuentwickeln für die Zukunft.  

Mit 22 Jahren lebst Du derzeit den Traum vieler Nachwuchscracks, professionell Eishockey zu spielen. Wie lebt sich den dieser Traum? 

Kragl: Es war auf jeden Fall ein langer Weg der mich über den Nachwuchs, Zell am See und Villach hierhergeführt hat. Es war nicht immer leicht muss man sagen, aber es war einfach immer mein Ziel. Natürlich ist es jetzt schön, dass einmal zu genießen, aber das Ziel ist natürlich noch nicht erreicht. Aufgrund der Punkteregel ist mit 24 Jahren noch einmal so eine kritische Grenze. Deshalb arbeite ich immer hart weiter, weil man nie weiß wie lange es noch geht. 

Du bist ein echter Linzer und hast alle Nachwuchsteams der LIWEST Black Wings durchlaufen. Erzähl uns ein wenig wie es so ist, als kleiner Junge in Linz mit dem Eishockey anzufangen. 

Kragl: Mein Vater hat damals über einen Freund Karten für ein Spiel bekommen und die haben mich und meinen Bruder mitgenommen in die Eishalle. Es hat uns gleich gefallen und wir sind dann immer wieder mitgegangen. Tatsächlich bin ich dann eigentlich über den Gonzo (Maskottchen) und durch so eine Kinderaktion zum Spielen gekommen.  So habe ich dann mit 8 Jahren zum Spielen angefangen, was eigentlich relativ spät ist. Ich habe davor mit Eislaufen überhaupt nichts am Hut gehabt, aber es hat mich einfach voll gepackt und so bin ich dabei geblieben. Später bin ich dann ins Sport-BORG gegangen und habe mit dem Leistungssport begonnen. 

Was braucht es deiner Meinung nach, um gerade als Teenager jeden Tag vollen Fokus auf Eishockey zu haben? 

Kragl: Wenn du früh eine Mannschaft hast, die immer hinter dir steht und die alles für dein Ziel tut, hilft das extrem. Wir haben eine super Gruppe gehabt mit dem Erik Kirchschläger, Lukas Haudum und Stefan Gaffal und so. Sie wollten alle unbedingt Eishockeyspielen und Profis werden. Da haben wir uns einfach immer gegenseitig gepusht, um das zu erreichen. Natürlich hat uns damals der U18 und U20 Meistertitel sehr zusammengeschweißt. Da ist dann auch in der Schule mal die ein oder andere Stunde draufgegangen. 

War/ ist bei dir auch das Ausland ein Thema? 

Kragl: Natürlich denkt man drüber nach ob es wo was gibt. Es heißt oft, dass man sich in Österreich schwer weiterentwickeln kann. Ich bin aber den Weg mit den Trainern und den anderen Spielern hier in Linz gegangen, um so viel Informationen wie möglich von ihnen zu lernen. Das war sicher keine schlechte Entscheidung, dass ich geblieben bin. Die größten Schritte in meiner Entwicklung habe ich in den letzten zwei Jahren gemacht. Ich bereue es nie, dass ich hier geblieben bin und bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hier bekommen habe. 

Du kennst also genau den Weg, den man in Österreich gehen muss, um professionell Eishockey zu spielen. Wie beurteilst Du nun das Projekt Alps Hockey League in Linz, das diesen Weg erleichtern soll? 

Kragl: Ich habe einige Zeit in Zell am See gespielt und das war extrem wichtig für mich und meine Entwicklung. Natürlich ist es in Linz derzeit noch schwierig, weil die großen Leistungsträger fehlen, die in anderen Teams schon vorhanden sind. Es ist aber auf jeden Fall der richtige Schritt gewesen, um den Nachwuchsspielern ein Ziel zu geben, auf dem sie aufbauen können. Es dauert natürlich ein paar Jahre, aber da kann man sicher eine gute Mannschaft aufbauen. Bis jetzt schlagen sich die Jungs gut und da können sie sicher schon wichtige Erfahrungen machen.  

Mit 1,77 m bist du ja nicht unbedingt der körperlich größte Verteidiger. Wie machst Du dir daraus trotzdem einen Vorteil? 

Das macht mich dafür flink und ich mache viel damit weg, dass ich versuche, das Spiel frühzeitig zu lesen. Obwohl ich sicher nicht der Größte bin, kann ich durchaus ein hartes Spiel spielen. ich hänge mich oft wie eine Zecke an meine Gegner dran und lasse nicht locker. Ich war immer schon ehrgeizig und das hilft.

Der Start in die neue Saison ist für dich persönlich bereits ganz gut gelaufen. Was siehst Du selbst als nächsten Schritt in Deiner Entwicklung? 

Eigentlich so weitermachen wie bislang. Ich möchte natürlich in den Top 6 Verteidigern bleiben und mir die Eiszeit weiterhin so verdienen. Im November bin auch wieder vom Nationalteam eingeladen worden und das ist natürlich mein Ziel, dass ich mich da etablieren kann. Das ist der nächste große Schritt, wenn man internationale Spiele bestreiten darf. 

Informationen für ein Schnuppertraining bei den Junior Wings gibt es hier: http://www.juniorwings.info/schnuppertraining/