"Gib 100 Prozent oder lass es bleiben!“

Im Interview der Woche spricht der 1,93 Meter große Stürmer über seine unermüdliche Motivation. Dabei erzählt der US-Amerikaner von seinem Spiel voller Emotionen auf dem Eis und seiner inneren Ruhe abseits davon. 

Servus Justin, die letzte Pause vor dem Start der intensivsten Eishockey-Zeit des Jahres neigt sich dem Ende zu. Wie hast Du Deine freien Tage verbracht?

Justin Florek: Ich war mit meiner Familie in Kitzbühel und wir haben ein paar Tage in einem Familienhotel übernachtet. Dort verbrachten wir viel Zeit im Schnee, aber genossen auch den Pool des Hotels. Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie war sehr schön und ich konnte wieder Energie schöpfen für die nächsten Spieltage.

Kitzbühel ist ja auch bekannt, für eines der berühmtesten Skirennen der Welt. Würdest Du die Streif einmal hinunterfahren?

Florek: (Lacht) Früher, bevor ich professionell mit dem Eishockey begonnen habe, war ich oft schifahren. Doch seither bin ich schon sehr lange nicht mehr auf Skiern gestanden. Ich weiß nicht genau, ob ich mich das trauen würde; aber warum nicht. Die Strecke ist mir ehrlich gesagt unbekannt, aber ich liebe neue Herausforderungen. Ein bisschen Angst hätte ich aber vermutlich schon. 

Auch auf dem Eis wirkst Du für sämtliche Aufgaben motiviert und bringst persönlich sehr viel Energie und Emotionen in dein Spiel. Egal ob es ein Vorbereitungsmatch ist oder ein Play-Off Spiel, Du wirkst immer voll fokussiert. Wie schaffst Du das? 

Florek: So haben mich meine Eltern erzogen. Das ist mein Spiel von Anfang an, seitdem ich ein Kind war. Meine Eltern haben immer gesagt: „Egal was Du machen möchtest, mache es mit 100 Prozent, oder lass es bleiben.“  Deshalb ziehe ich jeden Tag meine Eislaufschuhe an, gehe da raus und gebe alles. 

Wie steckst Du mit dieser Motivation Deine Mitspieler an? 

Florek: In der Kabine versuche ich viel mit meinen Mitspielern zu sprechen und sie mit meiner positiven Einstellung anzustecken. Beim Spiel geben wir immer 100 % aber beim Training darf der Spaß natürlich auch nicht zu kurz kommen. Dieser Mix aus leidenschaftlichem Einsatz und Spaß ist eine gute Kombination. 

Deine ganze Karriere lang hast Du eigentlich am Flügel gespielt. Hier in Linz bist du von Beginn an Mittelstürmer. Gibt es da große Unterschiede in der Spielweise?

Florek: Es gibt schon ein paar Unterschiede. Als Center hat man mehr Verantwortung im Spiel nach hinten. Ich war aber schon immer ein Stürmer, der sich auch auf die Defensiv-Arbeit konzentriert hat. Ich mag es im Unterzahlspiel, denn in diesen heißen Situationen kann man ein Spiel gewinnen. Für mich war die Umstellung vom Flügel zum Center deshalb nicht so schwer. 

War der Wechsel vom Trainerteam vorgegeben oder kam die Entscheidung von Dir? 

Florek: Es war mehr meine Entscheidung. Ich habe immer als Center ausgeholfen, wenn meine ehemaligen Teams nach Verletzungen jemanden benötigt haben. Die Black Wings verpflichteten mich nicht nur wegen meiner Größe und meines Körperspieles, sondern auch weil ich Center und Flügel spielen kann. 

Das Face-off ist eines der wichtigsten Aufgaben eines Centers. Wie schwierig war es die Techniken zu perfektionieren?

Florek: Mark Szücs hat mir sehr viele Videos gezeigt und wir haben sehr oft über die verschiedenen Techniken gesprochen. Auch Philipp Lukas hat mir da ein paar gute Tipps gegeben, die mir sehr geholfen haben. 

Als Laie schaut es ja nur so aus, als würde der Schiedsrichter beim Face-off den Puck fallen lassen. Worauf kommt es denn bei den „Bullys“ wirklich an? 

Florek: Zuerst spricht man sich mit seinen Teamkollegen ab, wie man am besten vorgehen sollte. Dann beobachtet man den Gegner, was er denn vorhaben könnte und zu welchem Gegenspieler er passen möchte. Solche Situationen üben wir im Training und schauen zusätzlich Videos von unseren Gegnern, um herauszufinden, was sie beim Face-Off machen werden. 

Können Checks und Fights genauso wichtig sein wie ein Tor zu schießen?

Florek: In gewissen Situationen denke ich das schon. Ich bin ein Spieler, der sehr gerne das physische Spiel bevorzugt. Ein harter Check kann in manchen Situationen der Mannschaft die entscheidende Motivation geben. 

Als Du im Sommer nach Linz kamst, war einer Deiner drei Wünsche die Meisterschaft zu gewinnen. Was denkst Du, ist da jetzt dafür notwendig, in Richtung Play-Offs? 

Florek: Viele Komponenten für eine siegreiche Mannschaft sind vorhanden, aber wir müssen unser Selbstvertrauen wieder zurückgewinnen. Die Mannschaft ist gut genug um jedes andere Team der Liga schlagen zu können, aber dazu brauchen wir mehr Konstanz und zwar über die vollen 60 Minuten und bei jedem Spiel.

Besonders bei Auswärtsspielen war das in letzter Zeit schwierig für Euch…

Florek: Ja, vor allem auswärts ist unsere Statistik nicht berauschend. Gerade um diese Jahreszeit müssen wir auch in der Ferne gewinnen, um mithalten zu können. Daheim haben wir unsere tollen Fans, die uns viel Energie geben. 

Kommen wir zu Justin Florek und wie er privat so lebt. Eines Deiner Hobbies ist ja fischen. Wie kannst Du stundenlang auf den perfekten Fisch warten und auf der anderen Seite einen so schnellen Sport wie Eishockey spielen?

Florek: (Lacht) Man muss nur lange warten und geduldig sein, wenn man es nicht drauf hat… Nein, Spaß beiseite. Ich mag es einfach zu entspannen und nicht auf die Zeit achten zu müssen. Es geht nicht unbedingt darum, wie viele Fische du fängst. Es ist einfach schön draußen am Wasser Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen. Ich liebe es mit meinem Vater, meiner Frau und meinen Kindern zu fischen. 

Es ist also nicht langweilig, sondern eine gute Möglichkeit einfach mal den Kopf abzuschalten…

Florek: Auf jeden Fall. Ich schalte mein Handy aus, fahre raus in die Wildnis und genieße die Ruhe und den Frieden. 

Was war denn der größte Fisch, den Du bis jetzt am Haken gehabt hast?

Florek: Den habe ich während meiner Zeit in Milwaukee gefangen. Das war eine riesige Forelle. Am liebsten fange ich aber Lachs, denn der schmeckt mir auch am besten. Da war der größte so um die 12 Kilo schwer.

Warst Du auch hier in Österreich schon einmal fischen?

Florek: Nein, noch nicht. Ich habe aber gehört, dass Philipp Lukas und Jürgen Penker auch sehr gerne fischen gehen. Auch mit Mark Szücs habe ich schon ein paar Tipps ausgetauscht. Vielleicht nehmen sie mich im Frühling ja mal mit. (mg/mv)