„Dürfen nicht zu euphorisch werden!“

Steve Oleksy im Interview der Woche über die Playoffs und seinen Stanley Cup Gewinn

Als Teil der Pittsburgh Penguins holte Steve Oleksy 2017 die begehrteste Trophäe im Eishockey, den Stanley Cup. Mit zusätzlich mehr als 440 Spielen in der American Hockey Legaue startete der erfahrene Verteidiger nun mit den LIWEST Black Wings in die Playoffs der Erste Bank Eishockey Liga. Im Interview der Woche spricht der 34-jährige über seinen größten Triumph und erklärt die berühmten Kleinigkeiten, auf die es in der entscheidenden Phase der Saison ankommen wird. Außerdem plaudert die Nummer 65 aus dem Nähkästchen und erzählt von seinen ungewöhnlichsten Erlebnissen auf dem Eis.

Servus Steve. Seit knapp einem Monat bist Du jetzt in Linz. Wie läuft‘s bislang?

Steve Oleksy: Danke gut. Ich habe schon viele Stationen in meiner Karriere erlebt, war aber bislang nur in Amerika aktiv. Ich wusste daher nicht genau, was mich in Europa erwartet, speziell hier in Linz. Ich kannte die Stadt nicht und auch die europäische Art Eishockey zu spielen war für mich neu. Beim Umstieg selber hat mir Head Coach Tom Rowe sehr geholfen und ich habe schon in den ersten Tagen gemerkt, wie professionell und ambitioniert hier alle sind. Das macht es uns Spieler wirklich sehr leicht, hierher zu kommen. 

Du hast die Monate davor in der East Coast Hockey League gespielt. Wie kam es dann zum Wechsel nach Linz?

Oleksy: Zum jetzigen Zeitpunkt in meiner Karriere wollte ich weg von zu Hause und neue Dinge erleben. Als sich die Chance ergab hierher zu kommen, habe ich keine Sekunde gezögert. Es ist alles sehr schnell gegangen und es war ein wenig so wie bei einem Trade in der NHL. Man spielt zuvor fünf Monate für ein Team, bei dem man alle Abläufe kennt und weiß genau welche Eigenschaften man in die Mannschaft bringt. Das ändert sich dann auf einen Schlag wieder und man muss sich den neuen Gegebenheiten und der neuen Kultur anpassen. Ich habe das im Laufe der Jahre schon öfter durchgemacht und ich mag es, immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen. Das Lustige war, dass mein Wechsel hierher genau mit dem Transferende in der NHL zusammengefallen ist. Es fühlte sich also genau an, wie ein Trade am „Deadline Day“ 

Warst Du davor schon einmal in Europa?

Oleksy: Ja war ich. Ich habe einige Zeit lang für das amerikanische Inlinehockey Nationalteam gespielt. Wir waren bei einem Turnier in Bratislava und sind dann mit dem Boot zu einem kurzen Ausflug nach Wien gefahren. Ich muss gestehen, dass ich die Kultur damals noch nicht zu schätzen wusste. Es war sehr bald in der Früh als wir ankamen und wir waren nur eine Stunde dort. Es wurde mir erst später klar, dass ich die Natur und den Lebensstil besser kennenlernen möchte. 

Hast Du schon irgendetwas typisch Österreichisches erlebt?

Oleksy: Ein paar Teamkollegen und ich haben bei mir zu Hause ein großes Abendessen veranstaltet und Hunter Fejes hat eine Linzer Torte mitgenommen. Generell sind mir schon einige gute Nachspeisen und der viele Kaffee aufgefallen. An jeder Ecke steht ein Espresso.  Als Kaffeeliebhaber, ist es quasi das größte Geschenk für mich, dass wir auch in der Kabine eine eigene Kaffeemaschine haben. (lacht) 

Du hast auch einige Erfahrungen in der NHL, der besten Liga der Welt, gesammelt. Wie ist es dort zu spielen?

Oleksy: Es war wirklich toll. Ich dachte nie, dass ich es schaffen würde und habe versucht, jeden Moment davon zu genießen. Tatsächlich war das Beste in der NHL nicht unbedingt der Sport selber, sondern das Umfeld, das einfach gepasst hat. Ich habe so viele fantastische Leute kennengelernt und viele Freunde gefunden. Als ich nach Linz gekommen bin haben mir so viele Leute geschrieben, weil sie wissen wollten wie es hier ist. Auch wenn man nicht mehr gemeinsam an einem Ort ist, bleibt man für immer miteinander verbunden. 

Was war so Dein lustigster Moment, den Du dabei erlebt hast?

Oleksy: Da gibt es einige… Als ich in Washington gespielt habe, habe ich es in die Top 10 der Missgeschicke geschafft, weil ich während dem Spiel die Kufe von meinem Schlittschuh verloren habe. Ich habe dann versucht zur Bank zu fahren und bin dabei 20 Mal hingefallen. Sogar der Schiedsrichter musste mir dann helfen, damit ich es zum Wechsel schaffe. Ich fühlte mich so hilflos. (lacht) Auch von einem meiner ersten NHL Spiele gibt es ein tolles Foto. Da hat mich eine Kamera erwischt, wie ich auf der Bank gerade in der Nase gebohrt habe. Meine Freunde haben das Foto ausgedruckt und damit T-Shirts erstellt, die sie immer tragen, wenn sie mich sehen. Auch in meiner Zeit am College gab es einige verrückte Momente. Einmal fuhr ich zum Bully und dann stand mein Gegenspieler plötzlich da und holte sein Handy aus der Hose. Ich stand nur da und dachte, warum spiele ich eigentlich Eishockey?! (lacht)

Du hast mit zwei der besten Spieler aller Zeiten zusammengespielt. Gibt es etwas, dass Du Dir von Sidney Crosby und Alexander Ovechkin abgeschaut hast?

Oleksy: Sie sind beide unglaubliche, unglaubliche, unglaubliche Athleten. Viel wichtiger aber, sie sind beide auch wirklich gute Menschen. Es ist schon eine Ehre, wenn man so darüber nachdenkt, dass ich mit zwei der besten Spieler aller Zeiten spielen durfte. Ich habe von beiden einiges gelernt. Zum Beispiel wie sie das Spiel sehen und wie sie sich auch abseits des Eises für jeden Zeit nehmen. Egal ob man ein Spiel mit ihnen zusammenspielt, oder für 10 Jahre. Sie behandeln alle gleichermaßen und nehmen sich für jeden Zeit, um sich weiterzuentwickeln. Ihre Einstellung ist wirklich vorbildhaft.

Die beiden gelten ja als erbitterte Rivalen. Wer ist Deiner Meinung nach, der Bessere?

Oleksy: Besonders für die Medien besteht bei den zweien natürlich eine große Rivalität. Sie spielen für zwei Vereine, die sich jedes Jahr in den Playoffs gegenüberstehen und werden daher ständig miteinander verglichen. Sie sind aber eigentlich sehr unterschiedliche Spielertypen und sind auch menschlich sehr verschieden. Es ist sehr schwer zu sagen, wer wirklich der Bessere ist, weil da viele Faktoren mitspielen. Es gibt so viele Dinge, die Statistiken nicht sagen können. Das muss jeder für sich beurteilen.

Du hast mit den Pittsburgh Penguins 2017 den Stanley Cup gewonnen. Kannst Du uns ein wenig mitnehmen, wie Du die Zeit erlebt hast? 

Oleksy: Ich dachte nie, dass ich jemals ein Teil davon sein würde. Für mich war es das Schönste, einen solchen Moment mit vielen Leuten zu teilen die mir wichtig sind und die mir geholfen haben erfolgreich zu sein. Ein Bild, das ich nie vergessen werde, ist als meine Eltern einen Schluck Bier aus dem Stanley Cup getrunken haben.

Jeder Spieler bekommt ja die Möglichkeit Zeit mit der Trophäe zu verbringen. Wie hast Du damals gefeiert?

Oleksy: Ich habe in meiner Heimat ein Public Viewing veranstaltet, damit mehr Leute die Möglichkeit bekommen einmal ein Foto damit zu machen. Ich wollte, dass so viele Menschen wie möglich dieses Erlebnis mit mir teilen. Ich war auch in meiner alten High-School zu Besuch und habe eine kleine private Party mit Freunden gefeiert.

Du weißt also was es braucht, um einen Titel zu holen. Worauf wird es für die LIWEST Black Wings jetzt in den Playoffs drauf ankommen?

Oleksy: Wir fokussieren uns stark auf die Dinge, die wir gut machen. Wir versuchen unsere Stärken konstanter und in jeder Phase einzusetzen. Wir haben sehr gute Torhüter, viele junge, hungrige Verteidiger und dynamische Stürmer. Das sind die einzelnen Stücke, die wir jetzt zu einem Ganzen zusammensetzen müssen. Zudem wird es wichtig werden, dass wir verstehen, dass es im Playoff immer Ups und Downs geben wird. In einer Serie werden wir unsere Momente haben und der Gegner wird seine Momente haben. Entscheidend ist, dass wir einerseits nicht zu euphorisch werden, uns auf der anderen Seite aber auch nicht unterkriegen lassen. Meistens ist jene Mannschaft am erfolgreichsten, die diese Balance am besten findet. 

Du bringst selber auch Emotionen mit ins Spiel und hattest bereits den ein oder anderen Fight in deiner Karriere. Wie wichtig sind solche Dinge in den Playoffs?

Oleksy: Das einzige was man im Sport beeinflussen kann, ist die eigene Einstellung. Darauf habe ich immer Wert gelegt und deshalb alles in ein Spiel geworfen. Wir haben eine tolle Gruppe, die sich gegenseitig motiviert. Es kommt nicht drauf an, ob du Spiel 1 oder Spiel 2 gewinnst oder verlierst, sondern es geht um eine ganze Serie. Man muss einen kühlen Kopf bewahren und darf sich nicht von kleinen Misserfolgen unterkriegen lassen. Man muss nach vorne schauen und darf auch in Sachen Emotionen nicht zu lange nachtragend sein. Wenn man gewinnt, darf man sich freuen, muss aber den Fokus behalten.